Neue Studie zur Ökobilanzierung: viele Fragen und Unklarheiten bleiben

Wochenkommentar von Krispin Romang (09.08.2017)

Erneut sorgt eine Studie zur Ökobilanz von Autos für Aufruhr. Dieses Mal kommt sie aus Schweden und attestiert der Herstellung des 86kWh-Akkus beim Tesla Model S einen CO2 Ausstoss von rund 17 Tonnen. Dieser Rucksack wird methodisch fragwürdig umgerechnet, in die acht Jahre, die ein Benzinauto fahren kann, bis es gleich viel CO2 ausgestossen hat. Soweit die Haupterkenntnis der Studie, welche von den hiesigen Medien mit Artikelüberschriften wie „Umweltsau Tesla“ in die allgemeine Wahrnehmung transportiert wird. Nun sind die Schweden natürlich nicht die Einzigen, welche sich in der Annährung der CO2-Emmissionen bei der Batterieherstellung üben. Die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt EMPA kam bei der gleichen Rechenübung für ecoinvent auf einen Wert von rund 4 Tonnen CO2 und liegt somit um das Vierfache unter dem Wert, welchen die Autoren der schwedischen Studie berechnet haben. 

Die Berechnungen in solchen Studien zu überprüfen, ist kompliziert. Falls diese auf Annahmen beruhen, wird die Überprüfung nahezu unmöglich. Wurde vom best- oder vom worst-case ausgegangen? Wo liegen die für die Erhebung relevanten Systemgrenzen und was wird schlussendlich mit was verglichen? Welchen Einfluss die Beantwortung dieser Fragen auf die jeweiligen Studien hat, zeigt die Diskrepanz zwischen dem Resultat der Studie aus Schweden und demjenigen der EMPA. Schlussendlich verhält es sich bei Ökobilanz-Berechnungen ähnlich wie bei den Hedgefonds: Niemand weiss genau, was sich genau wie berechnet. Sicher ist hingegen, dass die erstaunlichsten Werte die höchsten Wellen schlagen. 

Auch die neuste Studie raubt der Elektromobilität das Potenzial einer saubereren und nachhaltigen Individualmobilität nicht. Den nächsten Schritt dazu macht Tesla mit der Gigafactory, in welcher Batterien effizienter und hauptsächlich mit erneuerbarem Strom produziert werden und dadurch bei der Akkuherstellung deutlich tiefere CO2-Werte erzielen werden. Und wer weiss, vielleicht zaubert die Elektromobilitätsbranche noch ein heilbringendes Software-Update aus dem Hut.