Besser als ein kurzfristiges Verbot des Dieselmotors wäre ein Gebot für komplett emissionsfreie Autos

Ein Kommentar zum Vorstoss von Nationalrätin Evi Allemann (SP/BE) von Dr. Jörg Beckmann, Geschäftsführer Swiss eMobility

Der Skandal um die Manipulation von Abgaswerten hat in vielen europäischen Ländern zu Recht eine öffentliche Debatte über die mittelfristigen Perspektiven des Dieselantriebs ausgelöst. Das Resultat ist, dass neben Ländern wie Norwegen und Schweden nun auch das Autoland Deutschland nicht nur den Diesel, sondern den Verbrennungsmotor grundsätzlich auf den Prüfstand stellen. Der jüngste Bericht des deutschen Bundesrates fordert deshalb auch, ab 2030 nur noch emissionsfreie Fahrzeuge zuzulassen und macht damit auf eindrucksvolle Weise zweierlei deutlich: Erstens wird klar, dass der Dieselmotor, der als „klimafreundlichere“ Alternative zum Benziner gepriesen wurde, diese Versprechung nur auf Kosten einer höheren Stickstoffoxidbelastung einhalten konnte und zweitens, dass der emissionsfreie Elektroantrieb die einzig echte Alternative zu einer gesundheits- und umweltgefährdenden verbrennungsmotorischen Mobilität ist.

Dass nun gerade das deutsche Länderparlament, in dem auch autoaffine Bundesländer wie Niedersachsen und Bayern eine durchaus mächtige Rolle spielen, zum Schluss kommt, für einen vollständigen Ausstieg aus fossilen Antrieben einzustehen, ist insbesondere auch ein Bewies für die absolute Marktfähigkeit des Elektroantriebs. Wäre nicht mittlerweile auch die gesamte deutsche Automobilindustrie von der Elektrifizierbarkeit des motorisierten Individualverkehrs überzeugt, hätte es aus der deutschen Länderkammer kaum eine solche Forderung geben können. In einem Land, dessen gesamte Autoindustrie bis vor ein paar Jahren noch tief in einer Pfadabhängigkeit gegenüber dem Verbrennungsmotor steckte, zeichnet sich heute eine kolossale Autowende ab, die eigentlich ein grossartiges Vorbild sein muss für Länder, deren Politik bisher weitestgehend frei von den Interessen der Autoindustrie ist. Will sagen, wenn Deutschland das kann, dann doch auch erst recht die Schweiz!

Angesichts dieser gesellschaftlichen Transformation und vor dem Hintergrund der ohnehin anstehenden Technologiesprünge im Strassenverkehrssektor erscheint der Vorstoss von Evi Allemann wie aus einer anderen Epoche. Es kann mit Blick auf einen elektrifizierten und weitestgehend vollautomatisierten Strassenpersonenverkehr heute nicht mehr darum gehen, die politischen Kräfte auf ein kurzfristiges Dieselverbot zu konzentrieren, sondern schnellstmöglich die Voraussetzungen zu schaffen, für einen komplett emissionsfreien motorisierten Verkehr.

Der Weg dahin führt einzig und allein über den elektrischen Antrieb. Schon auf dem Stand der heutigen Batterietechnologie, und auf der Basis gegenwärtiger Anschaffungs- und Unterhaltskosten sowie aktueller wissenschaftlicher Gesamtumweltbilanzen, ist das Elektroauto besser, günstiger und umweltfreundlicher als jedes fossil angetriebene Fahrzeug – sei es ein Benzin-, Diesel- oder Gasfahrzeug. Anstatt nun ein „Nein“ zur Brückentechnologie „Diesel“ zu diskutieren, braucht es ein eindeutiges „Ja“ zum „Strom“. Anstatt den Umweg über ein Dieselverbot zu wählen, gilt es, den direkten Weg zum Gebot für komplett emissionsfeie Fahrzeuge zu wählen.

In diesem sind die National- und Ständeräte aufgerufen - nach dem Vorbild der deutschen Länderkammer - ein Ziel und einen Plan zu diskutieren, damit auch die Schweiz ab 2030 einen Strassenverkehr vorzuweisen hat, der anders als noch in der Vergangenheit, zu einem integralen Bestandteil eines verkehrsträgerübergreifenden „Umweltverbundes“ geworden ist und neben seiner eindrucksvollen Verkehrsleistungsbilanz auch eine makellose Umweltbilanz vorlegen kann.