Er will die elektrische Formel 1 in die Schweiz holen

Interview mit Fathi Derder im Touring vom 5. März 2015

FDP-Nationalrat Fathi Derder will einen elektrischen Formel-1-Grand-Prix in der Schweiz organisieren. Dem Parlament liegt eine entsprechende Motion vor.

Bild: Fabian Unternährer
Bild: Fabian Unternährer

Seit fast 60 Jahren sind Autorennen auf Rundstrecken in der Schweiz verboten. Warum soll es jetzt einen Grand Prix für Elektroautos geben? 

Fathi Derder: Die Wettrennen unterscheiden sich stark von der klassischen Formel 1. Sie werden nicht auf einer Rennstrecke, sondern in der Stadt ausgetragen, und die Geschwindigkeit ist beschränkt. Somit kann ein Rennen in der Schweiz mittels einer
einfachen Verordnungsänderung organisiert werden. Diese wurde bereits vom Nationalrat angenommen, und es ist so gut wie sicher, dass ihr auch der Ständerat zustimmen wird.

Wann also ist das erste solche Rennen in der Schweiz zu erwarten?

Vermutlich 2017. Der Internationale Automobilverband (FIA), der die elektrische Formel 1 beaufsichtigt, hat sich bereits zugunsten einer Teilnahme der Schweiz ausgesprochen. Die interessierten Städte hätten bis Ende 2015 Zeit, ihre Kandidatur einzureichen.

Weiss man schon, welche?

Zürich und Lausanne, und ich denke, dass die Chancen für die Waadtländer Hauptstadt gut stehen, den Sieg davonzutragen.

Weshalb?

Weil die FIA dem Rahmen, in dem das Rennen stattfindet, grosse Bedeutung beimisst. Gefragt sind eine Postkartenumgebung und symbolträchtige Orte. Mit dem Genfersee und den Alpen im Hintergrund verfügt Lausanne über ganz klare Trümpfe. Nicht zu vergessen auch das Olympische Museum.

Was verspricht so ein elektrisches Formel-1-Rennen?

Zunächst einmal ermöglicht der Anlass, namhafte Rennfahrer wie Sébastien Buemi, Nicolas Prost, Bruno Senna oder Nelson Piquet junior in Aktion zu sehen. Sie alle haben Erfahrung in der klassischen Formel 1. Es ist aber auch ein Volksfest, das dem Publikum gestattet, mit den Rennfahrern und Teams in Kontakt zu kommen sowie Stände zu pädagogischen und wissenschaftlichen Aspekten der Elektromobilität zu besuchen.

Ein solcher Anlass würde demnach die Wissenschaftsforschung beflügeln?

Davon bin ich überzeugt. Der Präsident der ETH Lausanne hat sich bereit erklärt, ein Forscherteam zur Verfügung zu stellen, das ein elektrisches Rennauto entwickelt. Und da dieser Wettkampf eine von den Medien stark beachtete Plattform darstellt, könnte die Schweiz ihr Know-how auf diesem Gebiet zeigen.

Mit Elektrizität zu fahren, scheint auf den ersten Blick ökologisch, doch wenn diese aus Atomkraftwerken stammt…

Klar. Eines der vorrangigen Ziele der elektrischen Formel 1 ist notabene, früher oder später nur noch erneuerbare Energien zu verwenden. Ich bin ein grosser Anhänger von sauberen Energien. Wir müssen diese entwickeln, um den Kauf von Elektroautos attraktiv zu machen.

Interview: Jacques-Olivier Pidoux