Häufige Fragen zur Elektromobilität

Wie weit kann ich mit einem Elektroauto fahren?
Rein elektrisch angetriebene Fahrzeuge im Mittelklassesegment haben eine von den Herstellern ausgewiesene Reichweite von ungefähr 130 – 200 Kilometern, abhängig von der Grösse des Energiespeichers (in kWh). Die tatsächlichen Reichweiten hängen neben der Batteriekapazität auch von Fahrweise, Nutzung zusätzlicher Stromverbraucher im Auto (wie Heizung/Lüftung/Klimaanlage), Alter der Batterie sowie von der Topographie ab. Gemäss Herstellerangaben werden die Reichweiten zukünftiger Modelle im Mittelklassesegment rund 300 Kilometer betragen.

Wie kann ich die Reichweite positiv beeinflussen?
Durch gleichmässiges Fahren sowie Fahren mit eingeschalteter Rekuperation (Rückspeisung der Bremsenergie) kann die Reichweite positiv beeinflusst werden, ebenso durch den Verzicht auf zugeschaltete Geräte wie Heizung, Klimaanlage oder Radio.

Was zeichnet das Fahrverhalten eines Elektroautos aus?
Eine hohe Beschleunigung dank des hohen Drehmoments sowie die Geräuschlosigkeit beim Fahren. Ab 80 km/h beschleunigt das Elektroauto dann jedoch langsamer als ein vergleichbares Fahrzeug mit Verbrennungsmotor.

Benötige ich einen speziellen Fahrausweis zum Fahren mit Elektroautos?
Nein. Der Fahrausweis bezieht sich nicht auf die Antriebsart des Fahrzeugs, sondern auf die Fahrzeugkategorie.

Ist das Schweizer Ladenetz flächendeckend?
Eine Vorausplanung der Fahrten ist trotz dem immer dichter werdenden Ladenetz nach wie vor sinnvoll. Insbesondere bei längeren Distanzen empfiehlt es sich, die Verfügbarkeit von Ladestandorten bei der Routenwahl und der Zeitplanung zu berücksichtigen.

Wie teuer ist das Laden?
Im Hochtarif belaufen sich die Stromkosten einer Vollladung ungefähr auf vier Franken, im Niedertarif auf etwa zwei Franken. Insbesondere beim Schnellladen („coffee&charge“) wird jedoch nicht der effektive Strompreis verrechnet, sondern die Schnellladedienstleistung. Dabei gehen die Preise in der Markteinführungsphase und bis zur Marktpreisfindung noch weit auseinander (von kostenlos bis zu CHF 40.- pro Vollladung für ein Mittelklassefahrzeug). Ebenfalls unterschiedlich ist die Verrechnungseinheit (pauschal, nach kWh oder nach Zeit). International geht man mittelfristig von einer Preisspanne von 12.- bis 30.- USD aus. Im Nicht-Schnellladebereich ist das Laden an öffentlichen Standorten nach wie vor meist kostenlos.

Wo finde ich die nächste öffentliche Stromtankstelle?
Das Schweizer Ladenetz befindet sich im Auf- und Ausbau. Verschiedene Online-Applikationen (Ladestationsfinder) helfen nebst den onboard-Navigationssystemen bei der Suche nach Ladestandorten. Die gängigsten Ladestationsfinder der Schweiz sind www.lemnet.org, www.chargemap.com, www.plugfinder.com. Eine Übersicht der Schnellladestandorte findet sich hier: http://www.swiss-emobility.ch/de/EVite/EVite-Ladestationen/index.php (oder über www.swiss-emobility.ch).

Wie lange dauert eine Vollladung der Batterie?
Die Dauer einer Vollladung hängt von verschiedenen Einflussgrössen ab. Nebst der Ladeleistung (in kW) sind dies insbesondere die Grösse des Energiespeichers (Batterie), die Wärmeentwicklung beim Ladevorgang oder die Aussentemperatur.

Laden ist nicht gleich Tanken. Elektrische Energie kann in verschiedenen Leistungskategorien (dementsprechend unterschiedlicher Ladedauer) geladen werden und ist nicht zwangsläufig an einer Tankstelle zu vollziehen. Elektroautos haben den Vorteil, dass sie während der Abstelldauer geladen werden können (beispielsweise über Nacht oder am Arbeitsplatz - „sleep&charge“, „work&charge“). Dabei spielt die Ladedauer in der Regel eine untergeordnete Rolle. Zeitkritisch ist das Laden unterwegs, bei kurzer Aufenthaltsdauer an einem Bestimmungsort (beispielsweise in einem Parkhaus, auf einem öffentlichen Parkplatz oder bei einem Einkaufszentrum - „shop&charge“) oder falls die zur Verfügung stehende Reichweite für die zu absolvierende Fahrdistanz nicht ausreicht (beispielsweise auf einer Autobahnraststätte - „coffee&charge“). Daraus ergibt sich folgende Faustregel:

„sleep&charge“ = 8 bis 12 Stunden
„work&charge“ = 4 bis 8 Stunden
„shop&charge“ = 30 Minuten bis 3 Stunden
„coffee&charge“ = 20 bis 30 Minuten.

An einem Schnellladestandort („coffee&charge“) wird nicht immer vollgeladen, sondern mitunter nur die benötigte Restreichweite zugeführt. Das Vollladen wird dann vollzogen, wenn das Elektroauto am Bestimmungsort ankommt und der Zeitfaktor kaum oder nicht relevant ist.

Muss ich die Batterie hin und wieder vollständig leeren?
Da kein Memory-Effekt (Kapazitätsverlust bei häufiger Teilentladung) auftritt, ist kein regelmässig durchgeführter Lade/Entlade-Zyklus nötig, um die Lebenserwartung der Batterie zu verlängern respektive nicht zu verkürzen.

Welche Batterien (Akkumulatoren) sind auf dem Markt und welche Technologien werden zukünftig eingesetzt?
Derzeit werden fast ausschliesslich Lithium-Ionen-Akkumulatoren verwendet. Neue Technologien sind in Entwicklung (Lithium-Schwefel, Lithium-Luft) und könnten ab 2025 auf den Markt kommen. Diese werden eine bedeutend grössere Energiedichte (Energie pro Raumvolumen) aufweisen und somit bei gleichbleibender Grösse der Batterien bedeutend mehr Reichweite aufweisen. Ebenfalls geforscht wird an Alternativen zum begrenzt vorhandenen Lithium.

Sind Elektroautos teurer?
Elektroautos sind in der Anschaffung teurer, nach dem Kauf aufgrund der geringeren Unterhalts- und Betriebskosten jedoch günstiger als ein vergleichbares Fahrzeug mit einem Verbrennungsmotor. Derzeit (Referenz 2015) wird die Kostenäquivalenz in der Vollkostenrechnung gemäss dem Deutschen Verband der Automobilindustrie bei 40‘000 Kilometer erreicht (ab dieser zurückgelegten Distanz ist das Elektroauto günstiger als das vergleichbare, fossil betriebene Fahrzeug).

Werden Batterien für Elektroautos in Zukunft billiger?
Kostentreiber beim Elektroauto sind die Batterien. Derzeit liegen die Batteriekosten der Hersteller bei rund 350.- USD/kWh und haben sich in den letzten fünf Jahren halbiert. Dieser Trend dürfte andauern und sich mit dem Eintritt in den Massenmarkt akzentuieren. Für 2020 wird die Kostenäquivalenz bei 20‘000 Kilometer prognostiziert.

Habe ich mit einem Elektroauto steuerliche Vorteile?
Für Fahrzeuge, welche ausschliesslich mit elektrischer Energie angetrieben werden, entfällt die Automobilsteuer. Davon profitieren auch Elektroautos mit Range Extender. Der Steuersatz beträgt 4 Prozent des Fahrzeugwerts, die Steuer wird bei der Einfuhr des Fahrzeuges erhoben. Hybrid-Fahrzeuge sind von der Automobilsteuer nicht befreit. Die kantonalen Motorfahrzeugsteuern werden unterschiedlich erhoben. Die meisten Kantone gewähren Rabatte für sparsame und emissionsarme Fahrzeuge. Weitere Auskünfte erteilen die jeweiligen Strassenverkehrsämter.

Sind Elektroautos umweltfreundlich, auch wenn die Stromproduktion eingerechnet wird?
Ja. Auch bei der „Well-to-Wheel“-Betrachtung („vom Bohrloch zum Rad“) weist das Elektroauto die bessere Umweltbilanz auf als andere Antriebsarten. Bei der klassischen Emissionsbetrachtung „Tank-to-Wheel“ („vom Tank zum Rad“) entstehen beim Elektroauto keine (CO2, Feinstaub) oder deutlich weniger (Lärm) Emissionen. Auch unter Einbezug der bei der Produktion, der Aufbereitung, der Raffination und dem Transport von Fortbewegungsenergie entstehenden Emissionen („Well-to-Tank“ – „vom Bohrloch zum Tank“), weist das Elektroauto eine bessere Umweltbilanz auf. Während die Datenlage beim Strom genaue Informationen zu CO2-Emissionen liefert, liegen bei anderen Energieträgern nur unzureichend Daten vor. Deshalb lässt sich dieser Teil der Wirkkette nicht abschliessend bewerten. Unabhängig ob Strom, Benzin, Diesel oder Gas ins Auto fliesst, bei der Energieproduktion entstehen Emissionen. Der elektrische Antrieb hat das Potenzial, ausschliesslich mit erneuerbar produziertem Strom zu fahren. Dabei wird die bestmögliche Umweltfreundlichkeit erzielt. Aus diesem Grund werden die meisten Elektroautos zusammen mit einer Ökovigniette verkauft. Dieser ökologische Vorteil ist ein Alleinstellungsmerkmal der Elektromobilität.

Wichtig bei der Umweltbilanzierung der verschiedenen Antriebsarten ist, Vergleichbarkeiten herzustellen. Dies trifft auf die Auswahl der zu vergleichenden Fahrzeuge (nach Fahrzeugkategorie, Gewicht oder Leistung) wie auch der Normwerte bei der Energiebereitstellung („Well-to-Tank“) zu. Dies will heissen, dass die Gegenüberstellung des schlechtesten Falles der Ökobilanzierung (beim Elektroauto die Verwendung von Kohlestrom) mit einem angenommenen Durchschnittswert einer anderen Antriebsart, die Ökobilanzierung verzerrt. Zur vollumfänglichen Ökobilanz („LCA“ – Life Cycle Assessment) gehören auch die Wirkketten Fahrzeugproduktion und -recycling. Vergleichbarkeit nach LCA-Betrachtung der verschiedenen Antriebsarten zu erstellen gestaltet sich noch komplexer als bei der Well-to-Wheel-Betrachtung.

Beim Elektroauto muss dabei der Lithium-Ionen-Antrieb kritisch betrachtet werden. Laut der EMPA (Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt) wird die Umwelt dabei nur mässig belastet: „maximal 15 Prozent der Gesamtbelastung durch das Elektroauto entfallen auf die Batterie, durch deren Herstellung, Unterhalt und Entsorgung. Die Hälfte davon wiederum – also rund 7.5% der Belastung – machen die Gewinnung und Herstellung der Batterierohstoffe Kupfer und Aluminium aus; die Lithiumgewinnung schlägt dagegen nur mit 2.3% zu Buche.“ Vor der Entsorgung kann die Batterie als stationärer Zwischenspeicher, im Regelfall um Strom auf Fotovoltaikanlagen zu puffern, weiterverwendet werden („second life“). Beim Recycling der Batterien entsteht kaum Abfall. Am Ende des Recyclingprozesses bleibt weniger als ein Prozent der Batterie an Rückständen. Aufgrund des noch geringen Volumens an zu recyclierenden Fahrzeugbatterien werden solche Prozesse noch selten angewendet. Für den Massenmarkt muss eine umfassend Infrastruktur zur Rückgewinnung aufgebaut werden.

Reicht der Bestand an Lithium, um genügend Batterien für Elektroautos zu bauen?
Zur Zeit sind technisch sieben Mio. Tonnen abbaubar. 600 Mio. Fahrzeuge lassen sich dadurch elektrifizieren. Das gesamte Vorkommen bei Lithium wird auf 135-160 Millionen Tonnen geschätzt, damit könnten 200 Jahre lang jährlich 50 Millionen Elektroautos mit Lithium-Ionen-Batterien produziert werden. Alternativen zum begrenzt vorhandenen Lithium werden erforscht. Dabei erhofft man sich, zukünftig Batterien aus reichlich vorhanden Elementen wie Eisen, Schwefel, Natrium und Magnesium herzustellen und so Lithium ersetzen zu können.