Kommentar zur Autoumweltliste 2016

Vergleiche von Vergleichbarem machen Sinn. Dies aus folgenden Gründen: Fairness, Logik und Aussagekraft.

Die Ökobilanzierung von Fahrzeugen ist ein schwieriges Thema. Nicht erst seit den Vorfällen vom letzten Herbst, dem sogenannten „Dieselgate“, welche die in der letztjährigen Ausgabe der Autoumweltliste festgestellte „Rückkehr der Diesler“ in ein unglückliches Licht rückten. Die bis anhin geltenden Prüfverfahren sind umstritten, wiederspiegeln die Realität nur eingeschränkt und wurden bis zu ihren Systemgrenzen und teilweise darüber hinaus ausgereizt. Zudem sind sie mit einem weiteren, grossen Makel behaftet: Sie dokumentieren nämlich nur einen Teil der Emissionskette. Daraus entsteht für die klassische Ökobilanzierung von Fahrzeugen ein einschneidendes Problem: Elektroautos emittieren im Betrieb kein CO2. Weder auf dem Prüfstand, noch auf der Strasse, noch im freien Fall.

Elektroautos sind demzufolge auch in der klassischen Bilanzierung unschlagbar. Dieses unumstössliche Resultat scheint jedoch nicht im Interesse der Herausgeber zu liegen. Die Elektromobilität wird ausgesondert und kommunikativ mit dem Zusatz „nur mit erneuerbarem Strom“ behaftet und der „Branche“ wird unterstellt, sich nicht konsequent für den Einsatz von nachhaltigem Strom einzusetzen. Nun gibt es aber nur für Elektroautos eine Ökovignette, und von allen Energieträgern kann nur der Strom konsequent nachhaltig sein. Es werden Vorteile in Nachteile umformuliert, der Vergleich entspricht für die Elektroautos der 200-Meter-Bahn im 100-Meter-Sprint. Das Alleinstellungsmerkmal, gerade eben mit erneuerbarer Energie und im besten Falle emissionsfrei vom Solardach zum Rad unterwegs zu sein, wird unterschlagen. Dies ist in keiner Weise nachvollziehbar.

Noch immer nicht ersichtlich sind die Bestrebungen der Autoumweltliste, auch well-to-tank-Daten für fossile Antriebe auszuweisen. Obwohl diese vorliegen. Damit würden die eingängig erwähnten Vergleichbarkeiten hergestellt. Denn ohne diese sind Vergleiche nichtssagend und überflüssig.

Krispin Romang
Stv. Geschäftsführer Swiss eMobility