31.01.2022

Josef Brusa - Der unbekannte E-Auto-Pionier

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Das Gespräch mit Josef Brusa führte Marc Bürgi von der Handelszeitung (Ausgabe 6. Januar 2022). Swiss eMobility erhielt freundlicherweise die Genehmigung, das leicht angepasste Interview hier zu veröffentlichen.

Josef Brusa setzt seit 1985 auf das E-Auto. Er hat einen führenden Zulieferer geschaffen - und kämpft für ein bedingungsloses Grundeinkommen.

Josef Brusa ist Ingenieur. Zahlen sind seine Welt, mit Logik und Analyse kennt er sich aus. Und wenn er einen Weg einschlägt, kennt er das Ziel. «Glauben ist keine Strategie», sagt Brusa. Sein Vorhaben, den Verbrennungsmotor durch den Elektroantrieb zu ersetzen, ist eine. Seit 1985 arbeitet er daran. Damals, vor über dreissig Jahren, glaubten wenige an die Strategie. Josef Brusa klickt auf seiner Computermaus. Auf der Leinwand sind rauchende Kamine zu sehen, Autoauspuffe, die Dreck verteilen. Und - «klick» - auf dem nächsten Bild: Riesige Windräder und Solaranlagen, die in der Sonne glänzen. Slide um Slide führt Brusa vor, warum Wirtschaft und Gesellschaft auf dem Holzweg sind. Da ist vom CO2-Ziel die Rede, von Energieeffizienz und exponentiellem Wachstum. Der Unternehmer zeigt diesen Vortrag häufig an Veranstaltungen. Brusa sagt: «Ich will nicht predigen, ich will aufklären.»

«In jedem Elektroauto steckt Brusa Elektronik»

1985 gründete Josef Brusa die Firma Brusa Elektronik in Sennwald im Rheintal. Aus dem Ein-Mann-Betrieb ist ein weltweit tätiger Zulieferer für Elektrofahrzeuge mit knapp 300 Mitarbeitenden geworden, die Namen der Kunden lesen sich wie ein «Who's who» der Autoindustrie: Daimler, Volkswagen, BMW, Bosch. Brusa Elektronik produziert verschiedene Teile für Elektroautos - beispielsweise Stromwandler, welche die Bordelektronik in Gang bringen. Oder Charger ohne Kabel, die Fahrzeuge über Magnetfelder mit Strom laden.

«In jedem Elektroauto steckt ein bisschen Brusa Elektronik», sagt Josef Brusa. Aus dem Mund eines Managers mag das angeberisch klingen. Aber hier spricht ein sachlicher Ingenieur. Er meint damit die Normen für Ladestecker, die Brusa Elektronik mitentwickelte. So gestaltet auch der US-Hersteller Tesla seine Stecker für den europäischen Markt nach diesen Standards.
Wenn Josef Brusa in seinem Unternehmen in Buchs aus dem Fenster schaut, sieht er die Hochschule, wo er einst Elektrotechnik studierte. 1981 hat er dort am Neu Technikum Buchs sein Diplom erhalten. Der junge Elektroingenieur aus der Innerschweiz stand vor dem Entscheid, was er mit dem Rest seines Lebens anfangen sollte. 

«Ich wollte etwas Sinnvolles machen. Mir war schon damals klar, dass unsere Mobilität mit dem Verbrennungsmotor unglaublich ineffizient ist. Und dass ich viel dazu beitragen kann, dies zu verbessern.»

Alles begann mit einem Rennen

Die Geschichte seine Firma beginnt mit einem Rennen: der Tour de Sol, einer Art Seifenkisten-Wettkampf für Erwachsene. Technik-Nerds konstruierten durch Photovoltaikpanels gespeiste Gefährte, mit denen sie um die Wette fuhren. Die erste Tour führte 1985 quer durch die Schweiz von Genf bis Romanshorn. Brusa sass nicht selber hinter einem Steuer.

Der junge Elektroingenieur machte sich im Hintergrund nützlich und entwickelte elektronische Schaltungen für mehrere Teams. Aus diesen freundschaftlichen Kontakten wurden Geschäftsbeziehungen, der Mittzwanziger hatte die ersten Kunden für seine Firma gewonnen. Und den ersten Technikchef gefunden. Axel Krause, Gewinner der Tour 1987, wechselte vom Industrieriesen Landis+Gyr zum Zwerg Brusa Elektronik.

Das KMU wird zum globalen Konzern

Der Hauptsitz ist ein grosses, langgezogenes Gebäude. In den Räumen stehen nur wenige Möbel, erst Ende Jahr weihte Brusa Elektronik den Neubau ein. Vor dem Eingang saugen mehrere Elektorautos an Ladestationen Strom. Und in der weitläufigen Tiefgarage ist jeder Parkplatz mit einer Steckdose ausgestattet. Mitarbeitende stecken am Morgen ihre Fahrzeuge ein und fahren mit einer vollgeladenen Batterie in den Feierabend. Nichts erinnert hier an die bescheidenen Anfänge. Das Unternehmen ist gross geworden. Vor kurzem eröffnete Brusa Elektronik die erste Niederlassung in China. Dort produziert es seine Produkte. Auch in den USA plant das Unternehmen einen Standort.

Und Brusa Hypower, der Teil des Unternehmens, welcher sich mit Wasserstoff beschäftigt, könnte bald an der Schweizer Börse gehandelt werden. Für das Wachstum braucht Brusa Elektronik zusätzliches Kapital. Vor fünf Jahren hatte der Gründer deshalb eine Schweizer Investorengruppe an Bord geholt und die Mehrheit am Unternehmen an sie verkauft.

Josef Brusa
 

Brusa Elektronik müsse grösser werden, sagt Josef Brusa. «Wir müssen wachsen, weil die anderen schrumpfen.» Die anderen: Das sind die Firmen, die das klassische Benzinauto herstellen. «Die Verbrennerindustrie wird verschwinden», sagt Brusa. Die Mobilität transformiert sich in rasendem Tempo: weg von den Treibstoffen aus Öl, hin zu Elektrizität aus Sonnen-, Wind- und Wasserkraft. «Als KMU könnten wir mit dieser Entwicklung nicht mithalten.»

Seine Branche verändert sich rasant. Doch er nimmt sich Zeit für sich und seine privaten Interessen. Das Präsidium von Brusa Elektronik ist kein Vollzeitjob, er arbeitet Teilzeit aus Überzeugung. 

«Den grössten Beitrag zum Klimaschutz leisten wir, indem wir Teilzeit arbeiten. Teilzeitarbeitende verdienten weniger und konsumierten dadurch auch weniger.»

Schon bei seiner ersten Stelle arbeitete Josef Brusa nicht mit vollem Pensum. So fand der Berufseinsteiger nebenbei die Zeit, sich der Tour de Sol zu widmen. «Meine Teilzeitarbeit hat mir die Firmengründung erst ermöglicht.» Nur als CEO war er rund um die Uhr absorbiert, «das war ein 150-Prozent-Job. Heute ist ein anderer der Arme.» Dieser «Arme» ist CEO Holger Fink. Brusa gab das Tagesgeschäft 2017 ab.

Kämpfer für ein Grundeinkommen

Bei Brusa Elektronik arbeiten nicht alle Teilzeit, «manche unserer Ingenieure verbeissen sich regelrecht in eine Aufgabe, die müssen wir fast zwingen, mal Ferien zu nehmen». Josef Brusa findet es gut, wenn Mitarbeitende eine Auszeit nehmen. Das möchte er allen Menschen möglich machen.

Der Unternehmer engagiert sich im Komitee, welches eine Initiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen vors Schweizer Stimmvolk bringen will. Alle Bürgerinnen und Bürger sollen ein regelmässiges Grundeinkommen vom Staat erhalten. Dass die Schweiz ein solches Grundeinkommen einführen wird, ist für Brusa klar. «Durch die Automatisierung werden immer mehr Stellen verschwinden, wir müssen als Gesellschaft darauf eine Antwort finden.»

Josef Brusa ist ein Idealist, der einen teuren Tesla fährt. Tut sich hier ein Widerspruch auf? Er habe sich wegen Teslas Ladeinfrastruktur für die Marke entschieden, sagt Brusa. «Tesla bietet da immer noch am meisten, deswegen bin ich bei dem Hersteller geblieben. Ich fahre jetzt aber ein kleineres Modell.» Er spricht in so trockenem Ton, dass gar keine Zweifel aufkommen.

Mit dem Tesla in die Sahara

«Viele schauen beim Elektroauto nur auf die Reichweite. Dabei ist das Ladenetzwerk beim Elektroauto entscheidend», sagt Brusa. Um sein Argument zu verdeutlichen, fuhr der Elektroingenieur im Tesla in die Wüste Marokkos. «Wir fanden überall problemlos Ladestationen. In Marokko nutzten wir dafür das Verzeichnis des nationalen Tesla-Clubs.»

Nächstes Jahr wird Brusa das Pensionsalter erreichen, das Präsidium von Brusa Elektronik will er noch einige Jahre ausfüllen. Zusätzlich zu diesem Mandat, und dem Unterschriftensammeln für die Volksinitiative für ein Grundeinkommen, engagiert sich der Unternehmer auch im Elektromobilitätsverband der Schweiz, Swiss eMobility. Dort setzte er sich unter anderem dafür ein, dass bei Neubauten Ladestationen für Elektroautos eingerichtet werden. 


«Vor dreissig Jahren wurden wir noch als Spinner angesehen. Heute belächelt uns keiner mehr. Ich habe nie daran gezweifelt, dass sich der Elektromotor durchsetzen wird.»

Josef Brusa

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© 2022 Swiss eMobility c/o Mobilitätsakademie

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